Notizen eines rastlosen Geistes
Wenn man eine Digitalkamera sein eigen nennt, die ihre Bilder nicht von Hause aus in Adobes DNG-Format ablegt, sondern in einem herstellerspezifischen Raw-Format, und (mal wieder) am Überlegen ist, wie denn ein sinnvoller Arbeitsablauf von der Speicherkarte bis zum gut gesicherten digitalen Bilderarchiv aussehen könnte, dann kommt man wohl an der Frage nicht vorbei: Alle Bilder in Adobes DNG-Format umwandeln oder nicht? Welche Vor- und Nachteile hat dieses Format? Was folgt daraus für die Praxis? Um es kurz zu machen: ein offenes, freies, herstellerunabhängiges Raw-Format wäre dringend notwendig, Adobes DNG erfüllt diesen Zweck (für mich) aber nicht, weshalb ich es nicht verwende.
Die Tatsache, dass zumindest gefühlt jede neue Kamera fast jedes großen Herstellers mit ihrer eigenen Version des herstellereigenen proprietären Raw-Formates daherkommt, ist im Hinblick auf die Langzeitarchivierung und unabhängige Zugreif- und Verarbeitbarkeit der Bilder eine denkbar ungünstige Ausgangslage. Entsprechend wäre es dringend notwendig, ein herstellerunabhängiges Raw-Format zu entwickeln, das mindestens die folgenden Kriterien erfüllt:
Es gibt gute Beispiele für solche Formate (wenn auch nicht wirklich für „digitale Negative“, s.u.), und es gibt für jedes Format sicherlich auch viele Beispiele für seine unvollständige oder fehlerhafte Umsetzung und Unterstützung. Darüber hinaus lässt sich in den letzten Jahren ein zunehmender Trend hin zu „geschlossenen Ökosystemen“ einzelner Hersteller oder Anbieter betrachten.
Ein Wort zur Zeitskala, auf der ein solches Format stabil und sowohl les- als auch schreibbar sein sollte: Wer nicht mindestens mehrere Jahrzehnte als Zeithorizont annimmt, hat sich vermutlich noch nie ernsthaft über den Begriff „Archiv“ Gedanken gemacht. Der immer wieder anstehende Wechsel des jeweiligen Datenträgers ist hierbei ein unerhebliches und technisch lösbares (und gelöstes) Problem.
Aufgrund der oben genannten Probleme mit den diversen proprietären Raw-Formaten der Kamerahersteller wurde von Adobe als Antwort im Jahr 2014 das Format "Digital Negative" (DNG) veröffentlicht. Auch wenn der Schritt gerade am Anfang von vielen Fotografen begrüßt wurde, konnte das Format aus diversen Gründen (die nicht alle von Adobe zu vertreten sind) sein Versprechen nicht einhalten und hat sich bis jetzt eben gerade nicht als der Standard (einmal abgesehen von Adobe-Software) durchgesetzt.
Eine Reihe von Problemen des Adobe-DNG-Formates seien nachfolgend stichpunktartig aufgelistet:
Ein Blogbeitrag, der sich kritisch mit dem Adobe-DNG-Format und dem Beitrag von Martin Evening im Adobe-eigenen Blog auseinandersetzt, stammt von Bernhard Albicker. Albicker widerlegt auch weitgehend das Argument, dass DNG-Dateien kleiner seien als die Kamera-Raw-Dateien.
Zwei lesenswerte persönliche Artikel von Nasim Mansurov beschreiben, warum er, der ursprünglich seine Raw-Bilder in das DNG-Format umwandelte, das nicht länger tut und welche Vor- und Nachteile DNG und Raw-Formate mitbringen.
Weitere gute Argumente gegen die Verwendung des DNG-Formats kommen von Stephan Wiesner. Er erwähnt u.a. das Problem, dass DNG aufgrund der Speicherung aller Metadaten in der Bilddatei selbst ständig das gesamte Bild neu schreibt, was rein statistisch die Chance auf Datenverlust oder Korrumpierung der Originaldatei massiv erhöht.
Vorweg: Das Problem der herstellereigenen Raw-Formate, die dann (im Gegensatz zu Adobes DNG) meist komplett nicht offengelegt sind, ist bislang nicht befriedigend gelöst und wird es vielleicht auf absehbare Zeit auch nicht werden.
Trotzdem können sehr viele (gerade auch freie) Programme mit vielen Kamera-Raw-Formaten umgehen und sie (mehr oder weniger gut) importieren.
Ein genereller Umgang mit der Problematik könnte wie folgt aussehen:
Werden diese Aspekte in einem weitgehend automatisierten Arbeitsablauf (workflow) integriert, sollte einer auch langfristigen Sicherung und Zugreifbarkeit auf die originalen Digitalfotos eigentlich nichts im Weg stehen.
Natürlich liefert eine Suche nach „DNG vs camera raw“ oder ähnlich mit der Suchmaschine des Vertrauens eine große Menge an Artikeln und Blog-Einträgen, die sich mit dem Thema befassen. Texte, die mir persönlich weitergeholfen haben, mir eine unabhängige Meinung zu bilden, sind nachfolgend genannt.