Notizen eines rastlosen Geistes
Objektive gehören zumindest bei der Nutzung von Spiegelreflexkameras tendenziell zu den wertstabilen Anschaffungen, sind aber auch entsprechend teuer. Deshalb stellt sich immer wieder neu die Frage: Objektiv des Kameraherstellers oder doch lieber (und geldbeutelschonender) das Objektiv eines Drittherstellers wie Tamron oder Sigma? Dass die „klassische“ Weisheit, die Objektive von Drittherstellern reichten hinsichtlich Qualität und Auflösung nicht an jene der Kamerahersteller heran, nicht immer gelten muss, zeigt der Vergleich des Canon EF 2,8/100mm L IS Macro USM mit dem Tamron SP 2,8/90 DI Macro 1:1 VC USD (F017).
Eine typische Brennweite für ein Makroobjektiv mit Festbrennweite ist der leichte Tele-Bereich von 90 bis 100 mm (bezogen auf das Kleinbildformat, mit Normalbrennweite von 50 mm). Canon liefert in der L-Serie überhaupt nur zwei Brennweiten für Makroobjektive mit Festbrennweite, nämlich 100 mm und 180 mm (nimmt man andere Objektivserien mit dazu, wird die Auswahl größer). Bei Tamron gibt es ein wenig mehr, aber auch hier scheint das 90-mm-Makroobjektiv eine Legende zu sein.
Kurz: Ein Makroobjektiv im leichten Telebereich ist sicherlich gut geeignet für zahlreiche Details in der Natur, genauso aber für Portraits und derlei.
Zwei Objektive wurden im gegebenen Fall näher verglichen:
Der Unterschied ist erst einmal der Preis, das Tamron-Objektiv gibt es (Stand 05/2020) für ca. 550 € (z.B. bei Foto Brenner), das Canon-Objektiv kostet typischerweise >900 € (Foto Brenner).
Hinsichtlich ihrer optischen Qualität scheinen beide Objektive durchaus vergleichbar zu sein, wobei das Tamron an den Rändern schärfer ist als das Canon und umgekehrt das Canon im Zentrum schärfer als das Tamron. Beide haben in ihrer jüngsten Fassung einen Bildstabilisator, der in zwei Achsen arbeitet, was insbesondere für die Makrofotografie aus der Hand von Bedeutung ist, außerdem scheint der Autofokus bei beiden sehr (bzw. hinreichend) schnell zu sein.
Gut zu wissen ist, dass beide Objektive mit Vollformatkameras und einer Auflösung um die 50 Megapixel getestet wurden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die optische Auflösung der Objektive für „kleinere“ Kameras allemal ausreichen sollte.
Am Ende scheinen es neben dem Preis eher persönliche Vorlieben zu sein, die für das eine oder andere Objektiv sprechen, wie die „schönere“ Gegenlichtblende beim Canon und die einfachere/robustere Bedienbarkeit des Tamron. Darüber hinaus scheint Tamron aktuell fünf Jahre Garantie auf sein Objektiv zu gewähren – gegenüber einem Jahr bei Canon.
Eine Reihe von Blogeinträgen und Tests war hilfreich bei der Entscheidungsfindung, sie sollen hier ohne Anspruch auf irgendeine Vollständigkeit angegeben werden. Hinweis: Der Beitrag auf zoomboy.com entstand auf direkte Anfrage von Tamron hin, ist aber trotzdem recht nüchtern und sachlich.